Poker Tells

Poker Tells
© Photographer: Elina Manninen | Agency: Dreamstime.com
Beim Poker treffen Menschen aufeinander. Unterschiedliche Persönlichkeiten mischen sich am Pokertisch und jeder hat so seine Angewohnheiten. Wie ein Profi völlig regungslos am Tisch sitzen zu können, das schaffen nur die Wenigsten von uns. Ein grosser Teil des Pokers beschäftigt sich mit dem Beobachten seines Gegners. Welche Stimmung hat er im Moment. Verspürt er vielleicht Wut, weil er gerade eine fast sichere Hand doch noch verloren hat, oder hat er vielleicht einen schlechten Tag und kann sich gar nicht richtig auf das Spiel konzentrieren? Diese Fakten und viele weitere gilt es heraus zu finden. Leider gestaltet sich dies schwierig, denn kaum jemand wird am Tisch von seinem Privatleben erzählen.
Tells
Dennoch gibt es Anzeichen, sogenannte Tells, welche uns einiges verraten können. Es gibt unglaublich viele Tells und sie alle können sich bei verschiedenen Spielern anders auswirken. Vereinfacht gesagt ist ein Tell eine Angewohnheit, welcher der Spieler in denselben Situationen immer wiederholt. Ein Spieler, der sich bisher mit vollem Elan an den Gesprächen beteiligt hat, wird auf einmal ganz still, warum wohl? Er hat eine besonders gute Hand getroffen und möchte sich nicht von den anderen Spielern ablenken lassen.
Nervosität
Ein sehr interessanter Tell ist die Nervosität eines Spielers. Wer keinen kühlen Kopf bewahren kann, lässt dies, wenn auch nur unbewusst, alle anderen Spieler erfahren. Er könnte sich z.B. ungewöhnlich oft kratzen oder unregelmässig atmen. Im schlimmsten Fall stehen ihm wirklich die Schweisstropfen auf der Stirn, weil er nicht die "Coolness" eines Profis besitzt, wenn es gerade um einen grossen Pot geht. Nervosität kann gleichermassen ein Zeichen für Stärke oder Schwäche sein. Wenn ein Spieler also unruhig auf dem Stuhl hin und her rutscht, dann ist Vorsicht geboten.
Ein Poker-Tell hilft einem die Stärke der gegnerischen Hand besser einzuschätzen. Natürlich kann dieser ganz bewusst einen Tell setzen und damit Verwirrung stiften. Zum Glück gibt es solche trickreichen Spieler nicht all zu oft. Die Anzahl der möglichen Tells ist fast unbegrenzt, aber es kommt nicht nur auf die Anzeichen seiner Gegner an. Beim Poker muss man sich auch immer selbst im Blickfeld haben.
Welches Image möchte ich am Tisch ausstrahlen? Bin ich eher tight oder loose? Natürlich möchte man für die Gegner genau das Gegenteilige ausstrahlen, damit man möglichst unlesbar für sie bleibt. Wie gross ist also die Rolle der Nervosität bei mir selbst? Kann ich auch in spannenden Situationen ruhig und gelassen nach aussen wirken? Wer einmal AA auf der Hand hält, kann seinen Puls sicher nicht zurück halten. Adrenalin ist eine natürliche Reaktion auf ein interessantes Ereignis in dem wir stecken. Beim Poker darf dies aber niemals nach aussen dringen.
Poker-Tells bestehen aber nicht nur aus rein psychologischen Elementen. Das Wettverhalten eines jeden Spielers ist viel subtiler und einfacher zu analysieren. Wie sehr wir uns auch anstrengen, oftmals haben wir für jede Situation eine vorgemerkte Reaktion parat. Ein tighter Spieler der den Flop verfehlt, wird garantiert checken anstatt zu bluffen, und ein Re-Raise wird er sicher nicht machen. Viele loose-aggressive Spieler wetten auch nur, wenn sie wirklich etwas getroffen haben, dafür muss es aber bei ihnen nicht einmal eine gute Hand sein. Im Limit Poker gehen viele Spieler nur bis zum Turn mit und wenn die Wetteinsätze sich verdoppeln, dann geben sie auf wenn sie nichts halten, weil es ihnen zu teuer wird. Das Wettverhalten, auf Englisch Betting Patterns, gehört gerade beim Online Poker zu den wichtigsten Analyse-Schritten, weil man kaum andere Anhaltspunkte von seinem Gegner bekommt.
Gegner genau beobachten
Um mehr Poker-Tells von seinem Gegner lernen zu können, gilt es also in jeder Runde die aktiven Spieler zu beobachten. Gerade in Händen an denen wir nicht beteiligt sind, können wir in aller Ruhe nach den "Schwachstellen" unserer Gegner suchen. Beim Poker geht es um Täuschungen und Lügen. Die Gesellschaft hat aber die meisten von uns zur Wahrheit erzogen, weil alles andere eine Schande für uns ist. Viele Spieler können diesen Mechanismus nicht abschalten. Während man überlegt, ob der Gegner blufft, sollte man ihm tief in die Augen schauen. Profis versuchen mit diesem Stare-Down einen weiteren Tell von ihrem Gegner zu bekommen. Weicht er seinem Blick aus, dann ist dies ein gutes Zeichen für Unsicherheit.
Beobachtet man seinen Gegner während er eine neue Hand bekommt, dann kann man vielleicht einen weiteren Poker-Tell erhalten. Wenn er ein gutes Blatt bekommt, dann setzt er sich vielleicht aufrecht hin und signalisiert die Bereitschaft zur Action am Tisch. Ein leichtes Grinsen können sich viele Spieler ebenfalls nicht verkneifen, wenn sie gerade eine starke Hand halten. Manchen Pokerprofis gelingt es sogar die kleine Erweiterung der Pupillen zu erkennen, wenn diese vielleicht gerade AA erkennen.
Poker-Tells dürfen wie viele andere Aspekte des Pokers nicht missachtet werden. Sie können uns Aufschluss über die Handstärke des Gegners bringen. Bestimmte Verhaltensmuster sind nur schwer abzuschalten, weil viele Spieler nur ihre Gegner und nicht auch sich selbst beobachten. Diesen Vorteil kann man sehr schnell für sich nutzbar machen und in ihnen lesen wie in einem Buch.